Auf Bali werden die Tänze meistens zu Ehren der Götter dargeboten, was Bestandteil der aktiven hinduistischen Tradition ist. Geprägt sind die Tänze durch eine sehr komplexe Gestik und Mimik, durch ein starkes Zusammenspiel von Musik und Bewegung. Jedem einzelnen Augenschlag, jedem Fingerspiel und jeder einzelnen Bewegung kommt eine Bedeutung zu. Teilweise stellt ein Tänzer mehrere Charaktere gleichzeitig dar. Einige der älteren, aus vorhinduistischer Zeit stammenden Kulttänze, die in Trance dargeboten werden, dürfen nur innerhalb des Tempelbezirks gezeigt werden. Regelmässig werden jedoch auch auf Bühnen und in Tempelhöfen Tänze aufgeführt, die größtenteils für Touristen dargebracht werden. Die Tänze, die ausschließlich für die Götter dargeboten werden, finden nur im Zusammenhang mit religiösen Zeremonien statt und sind teilweise nicht öffentlich. Bei diesen Vorstellungen sind stets Priester zugegen, da sich die Balinesen während des Tanzes in eine spirituelle Welt begeben, die nach ihrem Verständnis durchaus nicht ungefährlich ist. Die Themen der Tänze sind wie alles auf der Insel von den Hindu - Epen Ramayana und Mahabharata geprägt, die die Geschichte des Prinzen Rama und seiner Frau Sita erzählen. Andere Stücke berichten von dem Kampf des Dämonen Barong, welcher das Gute verkörpert, gegen die Hexe Rangda, die das Böse symbolisiert. Beide stehen stellvertretend für den ewigen Kampf zwischen Schwarz und Weiss, an dessen Schluss es weder einen Verlierer noch einen Gewinner gibt. Stellvertretend für das gesamte Spektrum der Darbietungen möchte ich hier drei Tänze erwähnen, die sicher zu dem bekanntesten zählen.
Legong Keraton
Einer der bekanntesten balinesischen Tänze ist der Legong Keraton. Es handelt sich um einen Tanz, der früher ausschliesslich an Fürstenhäusern dargeboten wurde und nur von jungen Mädchen getanzt werden durfte, die noch nicht ihre Menstruation hatten.
Die Legende besagt, dass ein balinesischer König einen Traum gehabt haben soll, in welchem wunderschöne Feen für ihn getanzt haben. Nach dem Erwachen soll er daraufhin sofort eine Einstudierung dieses Tanzes veranlasst haben. Somit ist der Legong eine Kopie dieses traumhaften Feen-Tanzes.
Kecak
Ebenfalls bekannt ist der Kecak-Tanz, der sogenannte Affentanz. Er wird von einer Gruppe Männern dargebracht, die aus bis zu 100 Personen bestehen kann. Diese sitzen im Kreis, in deren Mitte sich zwei Tänzerinnen befinden, die auch als Medium fungieren können. Durch den Gesang versetzen sich die Männer in Trance. Die Geschichte dieser Darbietung erzählt von Sita, einer Königin, welche entführt wird und anschließend mit Hilfe der Affenarmee des Gottes Hanoman befreit wird. Charakteristisch für den Tanz ist der Gesang der Männer, das "cak-ke-cak", welches das Geschrei der Affen wiederspiegeln soll und der Darbietung seinen Namen gab.
Barong

Ein weiterer, ebenfalls sehr bekannter Tanz ist der Barong-Tanz. Er beginnt zumeist mit dem Auftritt der bösen Macht Rangda. Diese wird von guten Kriegern attakiert, die versuchen, das Böse zu bezwingen. Während Rangda versucht, die Angriffe der Soldaten mit einem weißen Tuch abzuwehren, dem magische Kraft zugesprochen wird, da eine Berührung mit ihm als äußerst schmerzhaft, manchmal als gar tödlich gilt, versuchen die Krieger über sie herzufallen. Unter Druck geraten, stösst Rangda gegen die Kämpfer Flüche aus, die diese dazu bewegen sollen, die mitgeführten Dolche gegen sich selbst zu richten. Dieses Unterfangen wird jedoch durch das Fabelwesen Barong, welches das Gute verkörpert, verhindert. Insoweit entwickelt sich in diesem Schauspiel ein Kampf, der im balinesischen Leben allgegenwärtig ist und in welche beide Mächte miteinander kämpfen. Keiner kann jedoch obsiegen, da der Barong lediglich in der Lage ist, zu verhindern, dass sich die Krieger mit ihren Dolchen selbst richten.
Dieses Schauspiel ist ein ebenfalls ein Trance-Tanz, da sich die Krieger während des Kampfes mit der Randga in diesen Gemütszustand versetzen. Im letzten Teil des Stücks, wo sie dann die Dolche gegen sich selbst richten, haben sie zumeist sämtliche Kontrolle über ihren eigenen Körper und Geist verloren. Sie wenden dann die Waffen gegen ihre Brust und sind oft unkontrollierbar. In diesem Moment stürzen erfahrene Tempelwächter auf sie, um zu verhindern, dass sie sich selbst und vor allem andere mit den Dolchen verletzen. In solchen Situationen entwickeln die Kämpfer eine unglaubliche Kraft, die zumeist nur von 4-6 Männern gebändigt werden kann. Sie halten dann die Krieger fest, bis diese oft erschöpft oder gar ohnmächtig in sich zusammensinken. Erst danach betreten die Priester und deren Helfer die Tanzfläche, um sie mit heiligem Wasser zu benetzen und so aus dem fernen Gemütszustand zurückzuholen.

Vielerorts werden abendlich bei Fackellicht und Öllampen sowie Gamelanmusik Tänze dargebracht. Ubud und die nähere Umgebung, zum Beispiel Peliatan, bieten diesbezüglich sehr viele sehenswerte Höhepunkte.